BlaumilchSalon

Samstag 08.11. 2014 - 20 Uhr:

Andreas Beutner in:

"bald ruh ich wohl..."

von A.Gruhn

„Von der Banalität des Bösen“, so nannte Hanna Arendt ihren Bericht über den Eichmann-Prozess. Nicht seine Verbrechen erschienen ihr als unheimlich, vielmehr erschreckte sie die Normalität, die dieser Mann verkörperte: der liebende Gatte und treu sorgende Vater, der doch so sehr Kinder, Musik und die Natur liebte. All diese Eigenschaften und Vorlieben stehen in Kontrast zu allem, was man von einem Massenmörder gemeinhin erwarten würde. Außerdem wirkte Eichmann zum Teil sogar durchaus lächerlich auf sie. Andreas Gruhn schildert Adolf Eichmanns Gedanken und Verhalten in dessen letzter Stunde in seiner Gefängniszelle vor der Hinrichtung in Jerusalem. Der Monolog basiert zum großen Teil auf Verhörprotokollen und einigen überlieferten Sätzen Eichmanns. Was mag ein Mensch, wie Eichmann in seiner letzten Stunde gedacht und getan haben? Kann ein solcher Verbrecher seiner Hinrichtung entgegensehen, mit dem Eingeständnis von Schuld? - Eichmann jedenfalls konnte und wollte das sicherlich nicht. Er sah sich vielmehr als Opfer der Umstände und des Systems. Außerdem soll sein Gedächtnis äußerst schlecht gewesen sein. Ein Mensch erwartet seine Hinrichtung; schuldig oder unschuldig, Killer, Massenmörder oder skrupelloser Schreibtischtäter. Er ist einfach nur Mensch, der weiß, dass er sehr bald nicht mehr existieren wird.